MAN: Non-Compliance als Deal-Breaker?

Dass in M&A-Geschäften nachgekartet wird, ist nichts Neues. Dass zu einer allumfassenden, guten und kostspieligen Due Diligence auch ein Check des Risikomanagements gehört auch nicht. „Ferrostaal-Eigner bittet MAN zur Kasse“ könnte also fast als eine langweilige Handelsblatt-Schlagzeile durchgehen.
Aber Compliance, oder genaugenommen Non-Compliance als Deal-Breaker? Das wäre neu. Doch der arabische Mehrheitseigentümer International Petroleum Investment Company (IPIC) drohte tatsächlich mit der Rückabwicklung des Kaufs. Und zwar allein aus dem Grund, weil MAN die Araber nicht über den vollen Umfang des Korruptionsskandals informiert haben soll.
IPIC hatte eine Rückgabe der Ferrostaal-Anteile an die frühere Muttergesellschaft MAN prüfen lassen und das dazu bei der Frankfurter Kanzlei Schmitz & Partner in Auftrag gegebene Rechtsgutachten bestätigte, dass es dafür eine rechtliche Grundlage gebe. Demnach soll MAN die Araber nicht über den vollen Umfang des Korruptionsskandals informiert haben und durch die Affäre sei außerdem die Geschäftstätigkeit der Ferrostaal AG eingeschränkt.
Natürlich wird Non-Compliance nicht zum Deal-Breaker beim Ferrostaal-Erwerb, denn an einer Rückabwicklung des Deals hat IPIC indes kein Interesse. Aber Non-Compliance als Preisdrücker schlägt dafür bereits umso deutlicher zu Buche: Angeblich will der Staatsfonds nachträglich den Kaufpreis von 700 Millionen Euro drücken und hat, um den Druck zu erhöhen, bereits ein Schiedsgericht eingeschaltet.
MAN sieht das Verfahren gelassen. Experten sind sich aber sicher: MAN muss sich auf eine saftige Nachzahlung einstellen. Neben einem Wertabschlag könnte IPIC auch eventuelle aus dem Schmiergeldskandal resultierende Geldstrafen auf Ferrostaal abwälzen. Die Ermittlungen gegen Ferrostaal sind noch nicht abgeschlossen, zuletzt stand jedoch eine Strafzahlung in dreistelliger Millionenhöhe im Raum.
Um künftig saubere Geschäfte garantieren zu können, hat die neue Ferrostaal-Führung umfangreiche Compliance-Strukturen im Unternehmen installiert. Damit werde es wieder einfacher, Aufträge zu akquirieren, hieß es in Konzernkreisen.

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